Wohnhaus Prototyp aus nachhaltigen Baumaterialien
Was bis jetzt geschah…
Treffen und Diskussionen mit verschiedenen Stakeholdern haben uns bestätigt, dass unser Thema in Äthiopien von enormer Wichtigkeit und Aktualität ist. Der Wohnbedarf in Äthiopien steigt rasant. Außerdem setzt Äthiopien auf Nachhaltigkeit und Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung. Das Land ist selbst stark von der Klimaerwärmung betroffen und noch kaum resilient.
Mittlerweile haben wir eine Gruppe von Stakeholdern gefunden, die an dem Projekt arbeiten: Unsere Partnerorganisation Caritas Meki hat vor Ort den Lead übernommen. Ihr Team hat eine Bedarfsanalyse zum Thema Wohnen und eine Studie über die finanziellen Mittel der Bevölkerung im Projektgebiet durchgeführt.
Unser lokaler Architekt hat mit der Caritas-Architektin Miriam Prikryl zusammen einen ersten Vorentwurf entwickelt und analysiert zurzeit dessen Kosten. Außerdem nimmt er die örtlichen Bauvorschriften und -normen für die ländlichen Gebiete Äthiopiens und für Konstruktionen aus Bambus und Lehm genau unter die Lupe und kümmert sich um die Bodenanalyse, um sicher zu stellen, dass die lokale Erde als Baulehm für das Bauvorhaben eingesetzt werden kann.
Mit INBAR (Internationalen Bambus und Rattan Organisation) und der Base Bahay Foundation (einem von Hilti gegründeten Innovation Center in den Philippinen) werden die zwei heimischen Bambusarten, Oxytenanthera abyssinica (lowland bamboo) und Oldeania alpina (highland bamboo) untersucht. Verschiedene Tests werden derzeit vorbereitet, um genaueres Wissen über die heimischen Bambusarten für den Einsatz als Baumaterial zu gewinnen. In Äthiopien gibt es 1,47 Millionen Hektar Bambus. Das ist eine ganze Menge!
Doch bis dato wird Bambus im Bausektor hauptsächlich als minderwertiges Material verwendet: nicht ausreichend behandelt und bautechnisch nicht richtig eingesetzt- meist ungeschützt dem Regen und der Sonne ausgesetzt-dient er hauptsächlich kurzfristigen Lösungen beispielsweise für Zäune. Außerdem wird Bambus traditionell nur in gesplitterter Form verwendet. Ganze Bambushalme kommen bis jetzt nicht als primäre Tragstruktur zum Einsatz. Die Verwendung von Bambus ist in Äthiopien bei weitem nicht ausgereizt und birgt ein unglaubliches Potenzial, allerdings mit Hürden, da noch keine Liefer- und Wertschöpfungsketten für den Bausektor existieren! Wenn man mit behandeltem Bambus arbeiten möchte, was das Um und Auf für langfristige Konstruktionen ist, gibt es zurzeit nur eine Anlaufstelle in Äthiopien. Alternativ kann man den Bambus vor Ort selbst behandeln, um ihn gegen Ungeziefer zu schützen.
Folgende Bilder zeigen den Besuch einer Bambusfabrik in Addis Abeba, eine Bambusfarm und ein Bambos-Treatment Centers in Sidama:
Anders schaut es beim Thema Lehm aus. Die meisten Wohnhäuser im ländlichen Raum werden nach wie vor aus Lehm, oft von den Familien selbst errichtet. Das traditionelle Wissen ist hier noch stark vorhanden, allerdings beginnt es langsam zu schwinden. Neue Grundrissformen bringen neue Konstruktionsweisen hervor, die nicht mehr ausreichend wetterresillient sind. Die neue Dachdeckung besteht aus einem Wellblech, was die Häuser unter der äthiopischen Sonne unter Tags extrem aufheizt. Wellblech ist in Äthiopien sehr teuer. Dies führt dazu, dass z.B. auf Dachüberstand verzichtet wird , was bei den Häusern bei starken Regenfällen in der Regenzeit nach kürzester Zeit Schäden verursacht. Nachfolgende Bilder zeigen die Bauweise traditioneller Lehmhäuser im ländlichen Gebiet.
Coming up:
Nun werden alle Recherchen und Analysen zusammengetragen und definiert, wie ein adäquates Wohnhaus in der Oromia Region in Äthiopien ausschauen kann, damit es auch von der Gesellschaft akzeptiert wird. Ein Wohnhaus, das einen gewissen Standard entsprechen und außerdem mit einer neuen Bautechnik mit Bambus umgesetzt werden soll, muss sehr gut durchdacht sein, um finanziell mit derzeitigen Lösungen mithalten zu können.
Anhand des Vorentwurfs werden nun in den nächsten Schritten Anpassungen diskutiert, um letztendlich einen adäquaten Prototyp auszuarbeiten. Im neuen Jahr wird dann gebaut!
Das Grundstück für den Prototypen wurde schon ausgewählt. Der Prototyp wird auf das Grundstück einer Familie gebaut und soll direkt bewohnt werden. So kann besser beobachtet werden, wie sich das Haus bewährt.
November 2025